Der Tag danach
9. März 2012. Ein wunderbarer Tag um auf Facebook zu sein. Keine Posts mehr über den Weltfrauentag und auch die Links zum Kony-Video sind wenig überraschend verschwunden. “Wenig überraschend”? Nachdem jeder es gesehen und gepostet hat, ist das ganze so schnell wieder vorbei. Raising awareness ist ja gut und schön, aber dem netten Herrn aus Uganda wird das recht egal sein, da all jene jungen Erwachsenen, die das Video geshared haben, ihm wohl wenig anhaben können. Zumal das ganze es hierzulande nicht einmal in die Mainstream-Medien geschafft hat.
Raising awareness reicht nunmal nicht um die Welt besser zu machen, es werden bestimmt weiter Kinder verschleppt und ermordet, denn diejenigen die die Macht hätten etwas zu tun, wissen schon seit einiger Zeit bescheid und haben selbstverständlich wenig Interesse an Uganda. Bodenschätze? Taktische Wichtigkeit? Potenzieller Handelspartner? Nix da – und da der kalte Krieg vor über 20 Jahren endete, wird bestimmt auch niemand aus Prestigegründen einschreiten. Lediglich die UNO hat schon seit einigen Jahren ihre Blauhelme in Uganda, doch die haben bekanntlich die Pflicht nichts zu tun.
So zahnlos und nervig die Kampagne der Invisible Children im Endeffekt ist, so wirkungslos sind auch die Spenden die an sie fließen. So fließen weit weniger als die Hälfte des gesammelten Geldes in echte Projekte und selbst diese sind in erster Linie Förderung des Ugandischen Militärs. Das heißt im Endeffekt wird hier mit einem hervorragenden Film (das lässt sich kaum bestreiten) nur ein Krieg weiter finanziert. Zwar auf der vermeintlich richtigen Seite, aber Krieg bleibt Krieg.
Aber da gibt es noch etwas, was diese Kampagne zeigt. Und zwar wie sehr sich die Gesellschaft verändert hat. Ich kann mich noch erinnern, als sich jeder darüber empörte, wie die USA in irgendwelche Länder einmarschiert sind (wobei Irak tatsächlich ein Skandal war, da dort eigentlich alles gut gelaufen ist). Jetzt (und auch schon beim arabischen Frühling) heißt es plötzlich allerorts “Ja wieso greift denn da keiner ein?” Das liebe Leser (und weil gestern Frauentag war auch Innen) ist das Wunder sozial Media, das nicht mehr nur die großen Kriegsmacher, Präsidenten und Generäle, zeigt die einmarschieren. Auch die bisher kaum gesehenen kleinen Leute, die sich die Ankunft der großen amerikanischen Weltpolizei erhoffen, haben hier eine Plattform und ändern die allgemeine Sichtweise. Wer hätte denn vor 10 Jahren darüber gejubelt, dass die NATO in Libyen für Ordnung sorgt, denn erst die einfachen Leute, die über Twitter mobilisiert haben, haben hier für die Aufmerksamkeit und den nötigen Druck auf die Obrigkeit gesorgt.
Was ist nun der Unterschied zu Uganda? Von hier twittert niemand, vermutlich deshalb, weil es wohl kaum Internetzugang gibt. Deshalb wird es medial kaum etwas Neues geben und sich dieser Hype nicht Aufrecht erhalten lassen. Allein die Tatsache, dass Facebook heute Kony-frei zu sein scheint, lässt vermuten, dass bereits heute der Tag nach dem Hype ist.
Aber bitte, liebe Mitglieder der Generation 2.0, belehrt mich eines besseren und verbessert die Welt. Es würde mich ehrlich freuen.
Ps.: Generation 2.0? Was soll der Unsinn? Eine .0 ist nie ein Release, sondern allerhöchstens eine beta. Ich vertrau da eher auf Peter Fox, der sich als 1.1 bezeichnet. Eine Stable version halt…
Wünscht euch eure Floskeln doch selbst
Sigmund Freud sagte (oder schrieb – ehrlich gesagt weiß ich es nicht) einst den wunderbaren Satz “Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.” – Ebenso verhält es sich auch mit Glückwünschen. Jetzt in der Weihnachtszeit ist es wieder einmal so weit, dass jeder irgendwelche Weihnachts-Floskeln sagen, schreiben, pantomimisch darstellen muss.
In den Nachrichten, in Geschäften, in der Kirche (ok, das macht noch am ehesten Sinn), auf Facebook sowieso. Mir stellt sich dabei immer nur die Frage, wer allen ernstes jemandem besinnliche Feiertage wünscht, andererseits ist manchen Menschen wirklich mal zu wünschen, dass sie zur Besinnung kommen, aber..naja. Was ich eigentlich meine ist, ob sich wirklich jemand denkt “Ich will um jeden Preis, dass du besinnliche Feiertage hast”. Natürlich wünschen ohnehin wenige Leute ein besinnliches Weihnachtsfest, aber auch frohe Weihnachten halte ich für nicht viel besser. Eigentlich sogar noch schlimmer, denn so eine Standardzeile zeigt nur, dass man sich keine Gedanken macht.
Umso schlimmer ist es, zu Weihnachten bei Facebook online zu gehen. 10.000 Leute schreiben als Status “frohe Weihnachten”, “Frohe Weihnachten euch allen”…etc. Nur ein junger Mann postete “Oida i griag an schirchn wen i auf FB schau” und sprach mir damit aus der Seele.
Mein Bruder hat mich letztens gefragt ob ich weiß, ob an Weihnachten auch für Moslems ein Feiertag ist, denn er kam sich blöd vor beim Türken um die Ecke Frohe Weihnachten zu wünschen. Gut nachgedacht, aber das sollte man nicht nur beim südländischen Händler, sondern bei jedem, denn “Frohe Weihnachten” ist quasi das verbale Äquivalent zur Duftkerze die man vom Nachbarn bekommt. Die Sorte Duftkerze, die man jedes Jahr tausendfach bekommt und nie anzündet, weil sie elendlich stinkt. Wenn man jemandem ernsthaft was wünscht, sollte man sich das auch überlegen und nicht einfach nur die Standardfloskel um sich werfen.
Und wie schon so oft in meinem Leben, haben mich auch diesmal wieder die Sportfreunde Stiller sehr inspiriert. Sie posteten auf ihrer Facebookseite folgenden Satz: “Wir wünschen euch alles, was ihr euch selbst wünscht” – schlicht und sinnvoll. Wie der Gutschein als Weihnachtsgeschenk – Dem Überbringer kommt er zwar unpersönlich vor, aber der Empfänger freut sich, dass es keine hässliche Krawatte ist.
In diesem Sinn wünsche ich euch fürs neue Jahr was immer ihr euch wünscht. Und euren guten Rutsch wünscht euch bitte selbst
Ps.: Sämtliche Abneigung gegen unpersönliche Weihnachtswünsche kann man auch auf unpersönliche Geburtstagswünsche umlegen. Die Hälfte der Leute registrieren ja gar nicht, wem sie Geburtstagsglückwünsche auf die Pinnwand schreiben.
Style, Standart, shout-out (Ja, da is ein Rechtschreibfehler und ja, der gehört da hin)
Wir schreiben das Jahr 2011. Ein junger Mann namens Matthias Strohmeier bemerkt, dass er diese Phrase sehr gerne drischt. Folglich beginnt er den Artikel doch anders…
Ein lauer Dienstagabend, ein Liter Dachstuhl, ein gutes Konzert und zu späterer Stunde wandte sich eine durchaus begehrenswerte junge Dame mir zu mit den Worten: “Du Strohmi, ich steh total auf…” Ich frohlockte innerlich und dachte: “Beim Teutates, sie wird doch nicht etwa. Meine Gebete wurden endlich erhört. Manitu, Krishna und Jesus seien gepriesen!” Doch der Satz endete mit “…deine Haube” Und ich dachte mir: “Verteufelt seien Teutates, Manitu und Krishna… Jesus is ok.”
Nicht, dass man nicht gerne Komplimente für seine Kopfbedeckung hört, aber naja… ich führ die ganze Story lieber mal weiter.
Anderer Abend, anderer Ort, andere Getränke, andere Frau: “Dein Pulli is voll cool” – Auch nicht viel besser, aber wenigstens war der Satzanfang in diesem Fall so gewählt, dass ich nicht bereits vorschnell diversen Gottheiten huldigte.
Am selben Abend folgte aber noch ein weiteres analoges Ereignis. Ich betrete eine der wenigen Bars meines Vertrauens und ein herr, der in diesem Blog schon des öfteren geshoutet wurde (stimmt das so? Ich bin nicht so firm im Blog-Jargon) sagt ohne weitere Umschweife: “Oh wie geil is das T-shirt. Das muss ich haben. Wie viel willst?” 20€ hätte ich schlussendlich cashen können, allerdings hatte ich im Gegensatz zu Dienstag diesmal kein Ersatz-shirt im Gepäck. Folglich hätte diese Transaktion leichte Komplikationen mit sich gebracht und wurde gecancelled.
Komplimente für Kleidung sind ja nett und so habe ich aus der letzten Woche zunächst auch eines gelernt: Ich habe einen hervorranden Style (oder so) Dennoch würde ich noch mehr schätzen, hörte ich einmal: “Ich steh total auf dich”, “Du bist voll cool” oder “Oh wie geil bist du. Dich muss ich haben. Wie viel willst?” Nein, halt… drittes dann lieber doch nicht.
Da hier noch eine Menge Platz zum schreiben ist: fetter Themenwechsel
Da ich als Admin beim Internationalen Jogginghosentag, mir gern mal damit die zeit vertreibe die Kommentare zu lesen, fällt mir überaus oft auf, dass Leute folgendes oder ähnliche Meldungen von sich geben: “Is doch Standart”. Nach langwieriger recherche stellte sich überraschenderweise heraus, dass es sich dabei nicht um eine Art zu stehen handelt sondern um das Wort Standard. Da allerdings nicht nur Jogginghosenträger diesem Rechtschreibfehler aufsitzen, sondern auch unser ehrenwerter Herr Ex-Vizekanzler Willi Molterer (Beweisfoto), stellt sich die Frage ob es nicht Zeit wird diese Schreibweise in den duden aufzunehmen, denn sollte man Facebook-Einträge als relevante Publikationen sehen, so kann man davon ausgehen, dass sich diese schreibweise in 90% der Publikationen findet. Kurioses findet man auch wenn man weiter recherchiert. So wird etwa dargelegt, es handelt sich dabei um die neue Rechtschreibung, die alte Rechtschreibung (zu meiner Belustigung wird tatsächlich beides behauptet) oder gar die urdeutsche Übersetzung für das englische Wort Standard.
In Wahrheit ist der Standart ein Feldzeichen, eine bulgarische Zeitung oder im Zweifelsfall eine russische Yacht. Die ganze Wahrheit liegt aber bekanntlich nur in der wikipedia, dort wird standart bezeichnet als “eine häufig vorkommende Falschschreibung des eigentlich gemeinten Begriffs „Standard“.”
Zum Abschluss gibts noch ein shout-out (sagt man das jetzt so oder nicht?) für meinen Amigo und Lebensmenschen Matthias Gasregler (Name von der Redaktion verballhornt). Dieser schreibt seit neuestem wieder einen blog. Möglicherweise wird es diesmal sogar mehr Artikel als beim letzten mal (und zwar einen) geben. Seine Meisterwerke finden sich in Zukunft unter allgametrie.wordpress.com
So viele Fragen
Derzeit beschäftigen mich einige Fragen.
1. Oh Gott, wer ist die denn!? …und wo ist Max?
2. Wieso kann es nicht mehr so geile Bands wie die Subways geben?
3. Wieso kosten im Supermarkt 4 Rasierklingen 18€ und 8 Rasierklingen des gleichen Modells 22€?
4. Wieso lesen laut Statistik durchschnittlich 3 Leute pro Tage meinen Blog, obwohl ich seit Juni nichts mehr gepostet habe?
Wie dem auch sei, die wichtigere Frage ist wieso habe ich seit Juni keinen Artikel geschrieben und die allerwichtigste: Worüber schreibe ich jetzt?
Ich denke über das Fußball-Nationalteam ist ebenso genug gesagt wie über die Immobilien-Wirtschafts-Banken-Euro-Schulden-und_dann_wieder_Banken-Krise.
Dass mir nicht sonderlich viel einfällt liegt vielleicht, daran, dass ich seit August am Friedhof arbeite. Abgesehen von Gräbern, gibt es dort nämlich wenig interessantes. Über Steinmetzkunst, zusammengebundene Kreuze oder das überraschend häufige Vorkommen der Namen, Neuhold, Tüchler und Windisch am Friedhof Mariatrost, möchte man ja auch nicht wirklich in einem Blog referieren, der sich ansonsten weltbewegenden Themen wie Schuhen oder gar dem Valentinstag widmet.
Auch Pokemon Weiß und FIFA12, denen ich widme was vom Tage übrigbleibt, sind beileibe keine Inspirationsquellen. Die seit rund drei Monaten abonnierte “Presse” sogar noch weniger, denn wenn ich grundlosen Jubel darüber wie geil Banken und Großkapital sind, frage ich lieber den Herrn Painsi. Zum Glück muss ich für dieses Blatt nicht auch noch zahlen, das Jahresabo habe ich gewonnen.
Um nun zu meiner eigentlichen Inspiration zu kommen: auktorial.net. Ganz recht, der Blog über den ein JPR-Student meines Vertauens einst sinngemäß sagte “Irgendwie schreibt der nur mehr seltsames privates Zeug und über Casper.” Clemens W. (Name von der Redaktion abgekürzt) konnte aber nicht ahnen, dass sich Leser des besagten Blogs noch nach diesen Zeiten zurücksehnen werden in denen Max Meyer (Name von der Redaktion ausgeschrieben) zumindest noch selbst die Feder geschwungen hat, denn immerhin warfen 50% der oben genannten Themen gutes Geschreibsel ab. Um Missverständnisse zu vermeiden, bei der anderen Hälfte handelt es sich um Casper.
Wieso aber ist das meine Inspiration? Weil auktorial.net mich einst dazu inspiriert hat selbst zu bloggen und weil mir durch den heutigen (von mir nicht weiter kommentierten) Gastbeitrag darin wieder eingefallen ist: Achja genau, ich hab ja selbst einen Blog. Nur sollt ich da mal was drin schreiben. Und nachdem ich mich gestern mit einem Wikipedia-Artikel über einen ehemaligen Schulkollegen aufgewärmt habe, hab ich mir gedacht ich schreib einfach mal los.
Die letzte Frage die sich stellt ist: Wieso genau schreibe ich bzw. lest ihr einen über 400 Wörter langen Text in dem es um nichts geht zu Ende?
Ps.: Ich bitte hiermit alle Leser um Entschuldigung für diesen Unsinn.
Pps.: Wenigstens schreib ich nicht über das Wetter
“Heimat bist du großer Grammatik”
Als Paula Preradovic 1947 die österreichische Bundeshymne verfasste, hätte sie sich nicht gedacht, dass sie damit noch Jahrzehnte später für so viel Kontroverse sorgen würde. So groß waren damals die Anforderungen für eine Hymne auch nicht. Solange sie weder Hitler noch den Kaiser bejubelt und sich auf das beschränkt, was Österreich wirklich zu bieten hat, genügt das ganze fürs erste mal. Berge, Strome, Äcker, große Söhne…haben wir ja alles. Meere, Wüsten, Inseln… davon gibts eher weniger, auch große Töchter scheint es damals nicht gegeben zu haben. Zumindest waren sie dünn gesät: Welche nicht-habsburgerische Österreicherin der Vorkriegszeit kennt man denn außer Berta von Suttner?
So weit dieser historische Exkurs. Wir springen in die 90er. Nicht zu Unrecht beschweren sich gewisse Organisationen und Vertreter verschiedenster Parteien über die Hymne, die die großen Töchter außen vor lässt. Im Gegensatz zu Wörtern wie Bürger, die im Sinne des Erfinders einen geschlechtsneutralen Plural haben, ist Söhne sogar wirklich diskriminierend Frauen gegenüber, da es recht wenige weiblichen Söhne gibt. Mit der vorgeschlagenen/geforderten Änderung auf „Heimat bist du großer Töchter, Söhne“ diskreditierte sich die ganze Aktion selbst und wurde völlig zurecht als Haufen von Idioten abgetan. Selbst einem 5jährigen würde auffallen, dass in diesem Satzfragment etwas nicht stimmt, es sei denn “Söhne” wäre eine Anrede im Sinne von “Heimat bist du großer Töchter, (ihr dämlichen, nichtsnutzigen) Söhne”. Der einen oder anderen Frauenrechtlerin, zum Beispiel jener grünen Parteichefin die die Abschaffung von Einkommenssteuern für Frauen gefordert hatte, wäre diese Variante sicher besonders recht gewesen.
2005 – Frauenministerin Rauch Kallat meinte, dass viele Frauen die sich durch die Hymne diskriminiert fühlten, an sie herangetreten seien. Die Tatsache, dass diese Anfragen offebar ebenso fingiert waren wie dieser Brief, lassen wir einmal außen vor. Es ist noch viel bedenklicher, dass sie den alten Vorschlag wieder aufgriff. Eine Version die in 10 Jahre zuvor als Verbrechen an der deutschen Sprache, abgetan wurde, solle nun also gut genug sein? Vermutlich hat sich Frau Rauch Kallat die Pisa-Studie angesehen und gedacht, dass heutzutage niemand mehr den Fehler entdecken würde. – Denkste!
Den Abwärtstrend in der Bildung des Volkes richtig deutend, versuchte Maria Rauch Kallat auch heuer wieder das Erbe einer der größten Töchter Österreichs zu verschandeln. Ihre Parteikollegen wollen dies mit allen Mitteln (und zurecht) verhindern, die Art wie sie dies tun und zwar mit der traditionell-amerikanischen Filibustertechnik, ist aber “rüpelhaft” und so lenken sie vom eigentlichen Skandal ab und bringen die Medien (und in weiterer Folge dazu sich auf die Seite der armen Frau Rauch Kallat zu schlagen, was dazu führen könnte, dass der Antrag angenommen wurde.
Was mich bei dieser Causa aber am allermeisten wütend macht, ist die Tatsache, dass die gesamte österreichische Politik zu ignorant ist um Vorschläge von außen anzunehmen. Mit “Große Töchter, Große Söhne” bzw. “Heimat großer Töchter und Söhne” gibt es ja absolut sinnvolle Vorschläge, die wahrscheinlich sogar Paula Preradovic gerne mitsingen würde. Sollte Österreich aber entgültig der deutschen Sprache entsagen und den Rauch-Kallat-Antrag annehmen so bleibt ihr nur noch im Grabe zu rotieren und mir nur noch diese Hymne.
Was haben Sergio Ramos, Martin Stekelenburg, der HC Davos und das finnische Eishockeynationalteam gemeinsam? Ganz recht, sie alle haben heuer Pokale zerstört. Die beiden Fußballprofis ließen ihre Trophäen von Bussen fallen, bei den Eishacklern reichten ein schlichte Alkoholexzesse.
16.April 2011 – Der HC Davos wird Schweizer Eishockeymeister und zerstört den “Kübel”, wie die Trophäe liebevoll genannt wird. Vier Tage danach am 20. April ging der nächste Pokal zu Bruch. Nach dem Finale des Copa del Rey Real Madrid gegen FC Barcelona, war der Spott grenzenlos für den, aufgrund seiner Foulstatistik, ohnehin als ungeschickt bekannten Sergio Ramos. Er ließ den Königspokal vom Bus fallen. Als aber auch Martin Stekelenburg, seines Zeichens bester Torwart Hollands, den Meisterteller von einem Bus warf, gab das schon zu denken und als am selben Wochenende auch noch das finnische Eishockeyteam ihren Pokal vernichtete, war es klar: Das kann kein Zufall sein! Wie kann es sonst sein, dass plötzlich so kurz hintereinander vier Trophäen zerstört werden, wenn es keine Verschwörung gibt?
Der folgende Teil enthält eine ungeheuerliche Verschörungstheorie, die belegt ist mit wenigen Fakten, die völlig lächerlich zu einem Muster zusammengefügt wurden… Naja eine Verschwörungstheorie eben. Wenn wahnisnnige Amerikaner das dürfen, dann ist mir das doch wohl auch erlaubt, denn: Erlaubt ist was gefällt!
“Erlaubt ist was gefällt” deckt auf: Ein gewisser Ben Davies, der in seiner Funktion als Fondsmanager viel in der Schweiz (zur Schweiz komm ich gleich) arbeitet, scheint das ganze schon geahnt zu haben. Bereits am 4. April prognostizierte er, dass der Goldpreis in nächster Zeit um 30% steigen werde, meiner Meinung nach wohlwissend, dass einige Sportverbände bald neues Gold brauchen würden.
Die Welle dieser Zerstörung begann wie erwähnt in Davos, in der Schweiz, was bestimmt kein Zufall ist. Davos hat das Gold ja schon im Stadtwappen. Die Schweiz ist ja seit Jahrhunderten für ihre Lagerung von Gold bekannt, auch das Nazigold verschwand im neutralen Alpenstaat, der ohnehin bekannt ist als Boden, für mysteriöse Geschäfte. Es besteht kein Zweifel, dass hier eine Goldmafia sitzt, im Gleichen Land in dem auch der IOC sitzt, der alle zwei Jahre unglaubliche Mengen von Gold vergibt, ebenso wie die Fifa und viele andere Sportverbände. All diese Verbände stehen unter dem Einfluss der Goldmafia. Nicht nur, dass diese “Goldmedaillen” ein enorm viel Gold fressen, es ist auch ein enormer Imagegewinn, wenn in Sportübertragungen ständig von Gold die Rede ist. Historischen Hintergrund haben Goldmedaillen ja absolut nicht, einst wurden Lorbeere- oder Olivenzweige vergeben, die Einführung von Medaillen und Pokalen ist ganz klar Werk der Schweizerischen Goldmafia.
Um nicht zu auffällig zu handeln musste man aber gewährleisten, dass auch nationale Pokale, die mit Schweizer Verbänden nichts zu tun haben zerstört werden. Wenn man sich aber genauer umsieht wird einem auch bei Sergio Ramos etwas auffallen. Der sonst so modebewusste Südländer trägt nun goldene Badeshorts, eindeutig eine Bestechung der Goldmafia, die ihn zu seinem “Unfall” anstiftete.
Der finnische Eishockey-Teamkapitän Saku Koivu steht ja ohnehin schon seit längerem mit der Goldindustrie in Verbindung. Bilder des finnischen Teamkapitäns Saku Koivu werden seit Jahren nur zusammen mit Goldmünzen verkauft, was für die Goldindustrie ein ganz neuer Markt ist…
Ein maltesischer Wettanbieter schien auch Wind bekommen zu haben und bezeichnete die EishockeyWM als 1500€WM, da er offensichtlich schon wusste, dass der Goldpreis danach, dank erneuter Intervention der Goldmafia, die 1500er Grenze knacken würde. Allerdings hat er sich etwas vertan, denn nicht 1500€ sondern 1500$ ist das Edelmetall nun pro Feinunze wert. Dennoch muss das ja wohl dem letzten Skeptiker beweisen, dass die Theorie absolut wahr ist, denn dass ein Malteser einmal die Zeichen € und $ verwechselt kann ja einmal vorkommen.
Es fehlt aber noch der Grund, wieso die Industrie den Goldpreis gründlich hochtreiben muss. Nordafrikanische Diktatoren wie BenAli, Gaddaffi und Mubarak verfügen über Tonnen an Goldreserven. Wenn das von ihnen gelagerte Gold im Zuge der bevorstehenden Enteignung auf den Markt kommt, gibt es einen Überschuss, was den Goldpreis sinken lässt und nur durch die Notwendigkeit von neuem Gold für Sporttrophäen lässt sich der Preis halten.
Da aber der holländische Meiterteller die 150 Tonnen Gold des Herrn Gaddaffi nicht aufwiegen kann wird diese Serie sich fortsetzen. Möglicherweise schon bald in Graz. Immerhin spielt bei einem Grazer Titelanwärter ein gewisser Roman Kienast, der möglicherweise über die Goldschmiede Kienast in Worms (Worms ist übrigens nur 300km von der Schweiz entfernt), mit der Goldmafia in Verbindung steht. Wenn also dieser Herr die Trophäe am Rathausbalkon in Händen hält, heißt es in Deckung gehen, den es ist damit zu rechnen, dass auch dieser Meisterteller fallen wird und sich die Goldmafia erneut durchsetzt.
Ps.: Ich bin mir durchaus bewusst, dass Pokale nicht aus Gold sondern, wenn überhaupt nur goldbeschichtet sind und derart geringe Goldmengen keinerlei Auswirkungen auf den Preis haben. Aber welche Verschwörungstheorie basiert denn bitte auf richtigen Tatsachen?
Ein Wochenende für Historiker
Das waren noch Zeiten, als Monarchen, Päpste und Krieger die bestimmenden Themen waren… Ich kann mich erinnern, als wäre es erst letztes Wochenende gewesen. Und in der Tat, es war letztes Wochenende.
Das Wochenende begann mit dem Freitag. (Das ist jetzt noch nicht der große Knüller) Aber es war kein normaler Freitag, es war der Freitag, der die Welt bewegen sollte. Die Nummer zwei in der Thronfolge der Briten ging, nach wochenlanger Berichterstattung, vor den Traualtar. Obwohl ansonsten sein jüngerer Bruder Harry für die Skandale zuständig ist, war es diesmal William, der schuld daran war, dass so manche Lords und Ladies ihre Monokel fallen ließen, denn immerhin heiratete er eine Bürgerliche. Kein blaues Blut fließt in der jungen hübschen Kate Middleton,Allein der Name lässt Monarchisten erschaudern.
Heiratspolitik der vergangenen Jahrhunderte scheint bedeutungslos geworden zu sein, dier Adel heiratet nun aus Liebe – eine grauenhafte Vorstellung, wenn man bedenkt, dass das auf das gemeine Volk abfärben könnte. Glücklicherweise konnte die Queen in ihrer königlichen Weisheit den Skandal einer adelig-bürgerlichen Mischehe noch abwenden und beförderte Kate Middleton prompt zu Catherine Mountbatten-Windsor, Duchess of Cambridge. Nun waren alle zufrieden: die britischen Adelsfanatiker konnten zusehen wie ihr Prinz eine Herzogin heiratet, die Modefanatiker konnten sich auf die fabelhaften Kleider freuen, die Queen freute sich, dass ihr Gatte die ganze Zeremonie wach miterlebte und die TV-Anstalten erzielten Jahrhundertquoten.
Natürlich wollte jeder an diesem Spektakel teilhaben und so übertrugen mit dem ORF, dem Schweizer Fernsehen sowie ARD, ZDF, RTL, Sat1, N-TV und N24 ganze 8 deutschsprachige Sender. Die Qualität der Bilder überstieg allerdings in jedem Fall die des Gehörten. Prunkvolle Prachtbauten, majestätische Mode und atemberaubende Autos waren zu sehen. Dazu hörte man hörte man spannende Kommentare wie: “Hier kommt ein ganz normales Auto”, “Der erste Kuss dauerte 0,7 Sekunden, der zweite 1,1″ oder auch “Aha, Prinz Charles unterhält sich mit dem Bischof”. Der Informationsgehalt war in der Tat nicht allzu hoch, interessanter Weise blieben selbst diese Informationen bei der Berichterstattung für Sehbehinderte oft aus. So mancher Blinder hätte bestimmt auch gerne gehört, dass die Queen mit ihrem sonnengelben Kleid um die Wette strahlt, denn sie haben den Fehler gemacht sich die uninspirierten Herren auf Tonspur 2 anzuhören.
Die anschließende Diskussion jedenfalls bot Entertainment für das ganze Volk, auch die Sehbehinderten. Helene Karmasin, eine ältere Dame im Studio des ORF, ist den Tränen nahe, allerdings nicht wegen der rührenden Zeremonie, sondern wegen dem Kuss. “Dieser Kuss war viel zu kurz! Das war grad einmal ein Bussi!” Die Regie spielte dieses ach so schreckliche Bussi noch einmal ein, aber unter schweren Protesten der eben genannten Dame: “Nein! Bitte nicht! Es wird nicht besser!”
Ein dermaßen großer Rummel um einen kirchlichen Akt fand auch am Sonntag wieder statt. Der Mann der päpstlicher ist als der Papst und zwar der Vorgänger des aktuellen Papstes, wurde endlich selig gesprochen. Der Mann, der mehr Staaten besucht, mehr Selige proklamiert und mehr Witze erzählt hat, als alle Päpste vor ihm, darf nun im Himmel eine stufe höher steigen. Die vielen Jahre Wartezeit sind nun endlich zu Ende, wir alle dürfen nun zum beliebtesten Polen aller Zeiten beten und um seine Fürsprache bitten. Verdanken haben wir das einen französischen Nonne, die von ihrer Parkinson-Krankheit befreit wurde. Wer das für eine Lächerlichkeit hält, sollte vielleicht noch andere Beispiele hören: Krampfadernheilung einer brasiliansichen Nonne bewirkt durch Kaiser Karl I, Genesung von Rückenschmerzen dank Kardinal Newman (die allerdings 8 Monate später wieder auftraten) oder die Heilung einer Lungenmissbildung eines Babys dank Louis Zelie Martin. Man merkt, die Zeiten als es in Sachen göttliche Wunder noch echte Klassiker gab wie Querschnittsgelähmte und Leprakranke die geheilt wurden sind lange vorbei, heutzutage läuft das ganze etwas schlanker ab.
Wenigstens war der Seligsprechungsgottesdienst protzig wie in der guten alten Zeit, als man sich noch zwei Päpste leisten konnte und wäre der ehrenwerte Kardinal Ratzinger etwas hübscher, so hätte das sogar die beste Show des Wochenendes werden können, denn zumindest das Kleid konnte sich mit dem der Herzogin von Cambridge locker messen.
Ein großes Wunder gab es aber doch noch an diesem Wochenende. Es hatte nicht nur mit jemandes Tod zu tun, es war jemandes Tod. Osama bin Laden, seines Zeichens Superschurke, wurde von einer US-Spezialeinheit getötet. Und der Mann der so sehr für das Ende des Kriegs gegen den Terror gekämpft hat, darf sich nun bejubeln lassen, obwohl er nichts dafür getan hat. Mit der Sonntag Nacht (zumindest in den USA wars noch Sonntag) endet also der Krieg gegen den Terror und das historischste Wochenende seit langem.
Angesichts solcher weltbewegenden Ereignisse fühlt man sich als kleiner Mann aus Graz richtig unbedeutend. Man schreitet nicht in strahlender Uniform mit einer Herzogin zum Traualtar, sondern mit einer Schülerin im Worst-Taste-Outfit zum Jakominiplatz; Man bejubelt nicht einen erschossenen Terroristenführer im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, sondern 4 geschossene Tore in Liebenau; man spricht keinen Papst in Rom heilig sondern nur mit dem örtlichen Pfarrer in Mariatrost über den Zivildienst… Naja, trotzdem nett.
Ich distanziere mich von jeglichen negativen Worten über papst johannes paul II, von dem ich ein Riesen Fan bin. Ich halte lediglich Seligsprechungen, sowie auch die meisten der dazu herangezogenen Wunder fü lächerlich. Wer in seinen augen selig ist und wer nicht, soll Gott bitte selbst entscheiden und nicht die alten Knaben im Vatikan.
Amors eingerostete Flügel
Heute ist der 14.2. Es ist der einzige Tag an dem der alte, müde und uninspirierte Amor noch mal die Flügel spannt und ein wenig Romantik versprüht. Wie der ebenso altersschwache Weihnachtsmann, lässt er sich dabei kräftig von der Industrie unter die Arme greifen. Seine Glanzzeiten, in denen ein gewisser Orpheus noch, getrieben von der Liebe zu seiner Eurydike in die Unterwelt ging und sein Leben riskierte, sind lange vorbei. Heute riskiert man gerade noch eine Zehner beim Floristen oder beim Konditor.
Romantik scheint nur noch ein Klischee aus vergangenen Tagen zu sein, der altgewordene Amor ist chancenlos ganz alleine 7 Milliarden Menschen damit zu versorgen. Als er begonnen hatte waren es ja bekanntlich nur ein paar Millionen und auch seine Flügel waren damals noch nicht so eingerostet. Von den alterstypisch zittrigen Armen, die seine Pfeil–und-Bogen-Technik auch nicht gerade verbessern, ganz zu schweigen. Mangels eines Nachkommens (die Geschichte von der gescheiterten Beziehung mit Psyche dürfte Freunden der griechischen Mythologie bekannt sein) konnte er sein Amt nur an die übermächtigen Industrie-Riesen abgeben, ein häufiges Schicksal für einstige Familienbetriebe.
Aufgewacht (ich war aufgrund von Krankheit heute nicht in der Schule) bin ich heute jedenfalls vom verführerischen Duft von dern selbstgebackenen Keksen meiner Schwester für ihren Freund. Einige wenige konnte Amor scheinbar doch noch beglücken. Hier wird noch mit Liebe gebacken und nicht mit Zwang gekauft, wie es der neue Boss der gerne hätte.
Das von der Industrie vorgesehene Szenario ist klar: Schnell zu BIPA, Juhu -10% auf alle Markendüfte und heim. Der Handel profitiert, die Romantik stirbt, gemeinsam mit ihrer Gallionsfigur. Die alte Phrase “Nur der Gedanke zählt” kann auch hier nichts mehr retten, denn der Gedanke war “Heute ist Valentinstag, schnell noch Ramsch aus der Werbung kaufen, damit meine Freundin nicht böse ist” – In der Tat nicht sehr stilvoll, obwohl man hier zumindest mit den Gedanken bei seiner liebsten ist.
Mein Vater, ein alter Haudegen in diesem Geschäft, bringt gerne eine Parodie auf diese Lächerlichkeit. Herzhaft lachend betritt er mit einem Punschkrapfen das Haus. Meine Mutter lacht ebenfalls und macht sich sofort daran, süffisant das rosa etwas zu verspeisen. Billige kommerzgesteuerte Gesten sind nicht mehr nötig nach 32 Jahren Ehe und werden belächelt, ein ganz eigener, wesentlich persönlicherer Stil von Romanze tritt an deren Stelle und was einem die Wirtschaft aufzwingt wird gesehen, als was es ist: ein Witz.
Einfallsreichtum ist gefragt, viel bleibt aber nicht übrig zu tun, da andere Verliebte der letzten jahrtausende aber auch Hollywood schon einiges vorweggenommen haben. Ich sehe Amor förmlich vor mir, wie er unwissend mit den Schultern zuckt, auf die Frage was man noch Neues machen könnte. Vor nicht allzulanger Zeit hängte in Graz jemand ein Schloss mit zwei Namen an eine Brücke. Eine verdammt coole Idee, beim ersten Mal. Die Trittbrettfahrer, die ihr Schloss dazuhängen, können sich zumindest darüber freuen, dass es trotz alledem noch immer eine halbwegs schöne Geste bleibt und die Brücke dadurch touristisch ziemlich wertvoll wird, aber der Pepp des Neuen ist schon ziemlich vergangen. Zumindest ist es immer noch innovativer als Pralinen, billige Blumen und ein teurer Duft, wie in der Werbung.
Eine Sache, die bestimmt weder im Sinne der Wirtschaft, noch in der von Amor und am allerwenigsten im Sinne vom heiligen Valentin ist, ist das sinnlose Geschreibsel von wegen “Schönen Valentinstag euch allen” auf Facebook. Keiner freut sich drüber, keiner verdient Geld damit und niemand darf sich besonders fühlen – genauso wenig wie wenn jemand, dessen Namen ich ebenso wenig wie den meines Brückenfreundes nenne, an 20 Mädels in der Schule Rosen verschenkt. Als Empfängerin ist man dann eine von vielen und ich kann mir vorstellen, dass es Zufriedenstellenderes gibt.
Amor und der heilige Valentin müssen also mehr und mehr zusehen, wie ihr Werk den Bach runtergeht. Kaum jemand begeht den Valentinstag noch in seinem eigentlichen Sinne, oder ist der Sinn etwa doch Geld auszugeben? Fragt mich nicht, ich war nicht dabei als er eingeführt wurde. Jedenfalls sollte es doch dank modernster Gentechnik möglich sein einen oder mehrere Nachkommen für den allzu senilen Amor zu schaffen, damit die Erde wieder das ganze Jahr und nicht nur an diesem einen Tag, noch dazu sehr spärlich, mit Liebe erfüllt werden kann. Vielleicht reicht es aber schon den Hollywoodschreiberlingen, das Schicksal der Welt anzuvertrauen. Denen fällt doch noch gelegentlich eine neue Schmalzigkeit ein.
Die ach so geliebte Revolution
“Wer auch immer (Name vom Autor geändert) und 12 weitere Freunde werden an A Virtual “March of Millions” in Solidarity with Egyptian Protestors teilnehmen.”, las ich gerade eben in meiner facebook-Nachrichtenleiste. Bis auf einen, haben diese 13 keinen Bezug zu Ägypten und des weiteren wohl auch kaum Ahnung, was sie da unterstützen. Ich möchte hier nicht sagen, dass es sich um etwas Schlechtes handelt, ehrlich gesagt, habe auch ich nur so viel Ahnung wie die österreichischen Medien und das ist bekanntlich nicht allzu viel. Aber gerade deshalb zögere ich damit, hochgepriesene Revolutionen, wie die aktuell in Ägypten stattfindende zu bejubeln, denn man kann nie wissen was sie bringen.
Im 18. bzw. 19 jahrhundert begann die französische Revolution durchaus ähnlich. Ein aufgebrachter Haufen aus dem unterdrückten Volk stürzte die Regierung. Das Ausland jubelte, die Könige waren entzückt, da Frankreich nun am Boden schien, das Volk jubelte darüber, dass endlich der gemeine Pöbel wo das sagen hatte und erhoffte eine Ausbreitung auf ganz Europa. Diese kam und unter napoleon kam es zu blutigen Kriegen und der, gerade von den Revolutionären so verhassten, Ausbeutung. Im nachhinein kann man dem natürlich positives abgewinnen, da die französische Revoltion den Grundstein für menschenrechtsbezogene Politik in Europa. Nichtsdestotrotz bleibt es ein warnendes Beispiel.
Ein vergleichbares Exempel stellt auch die chinesische Revolution dar. Zahlreiche “Links-linke Gutmenschen”, wie es in der Tätersprache so schön heißt, waren hin und weg von den großen Worten eines Mao, der ein sozialistisches Paradies vorhersagte. Was sich in Wirklichkeit in China abspielte, blieb den meisten ein Geheimnis und so schämt sich jahre später so mancher selbsterklärter Maoist, sich einst die Mao-Bibel oder das Andy Warhol Hemd mit dem Konterfei des chinesischen Führers gekauft zu haben, da Mao im nachhinein betrachtet alles andere als der proklamierte Held war.
Eine “Revolution” (Die Anführungszeichen erklären sich durch den nächsten Absatz), wie sie momentan in den magrhebinischen Ländern stattfindet, kann verschiedenste Auswirkungen haben. Kriege, Hungersnöte, Militärdiktaturen, Anarchie aber auch gar nichts. So gab es 2009, die meisten werden sich jetzt schon nicht mehr daran erinnern können, vor den Wahlen im Iran riesige Aufstände. Über Twitter wurde über die ganze welt verbreitet, was sich abspielte. man nannte es die Twitter-Revolution, da Twitter das wichtigste Kommunikationsmittel war. Die ganze welt nahm Anteil, färbte ihr Twitter Anzeigebild grün um Zustimmung auszudrücken und was daraus geworden ist, kann man jetzt eindeutig sagen: Nichts. Ahmadinejad is noch immer an der Macht, Frauen werden noch immer unterdrückt, das Militär und die Kirche beherrschen das ganze land und der Westen, dem die sache nach ein paar Wochen langweilig wurde, interessiert sich nun kein Stück mehr dafür.Scheinbar muss eine Sache, eine Idee, nein gar ein Ideal en Vogue sein, damit sie unterstützt wird. Eine revolution über web 2.0, das ist doch mal was Cooles. Wer interessiert sich auch heute noch für den einfachen Bettler auf der Straße oder den Kindersoldaten im Kongo – Das ist ja sowas von out.
Wenn diese angebliche Revolution im Iran, die sich in ihrer Wirkung als froher Furz entpuppte, auch sonst nichts verändert hat, dann zumindest meine Ansicht. Nicht alles was die Medien als Revolution betiteln ist eine. Und nicht jede Veränderung muss auch Gutes verheißen. In Tunesien kehren im Zuge der Aufstände zahlreiche Islamisten aus dem Exil zurück um aus dem Tohuwabohu zu profitieren und die Macht zu ergreifen. Das scheint aber egal zu sein, denn Tunesien hat ja ohnehin kein Öl. Dort wo Intervention nötig wäre, fehlt der nötige Wille dazu. Intervention aber in dem Sinne, dass man als neutraler Vermittler fungiert und nicht im Stile der Amerikaner noch mehr Krieg sät. Und sollten die Islamisten tatsächlich an die Macht kommen, in welchem der betroffenen Länder auch immer, darf man sich sicher sein, dass dies nicht lange von Bestand sein wird, denn diejenigen, die die Revolution losgetreten haben und zwar die Jugendlichen, wünschen sich ganz bestimmt keine Scharia und werden auch gegen diese auf die Straße gehen und so mancher mag sich vielleicht sogar den alten Zustand wieder wünschen, denn was die Jugend will, egal ob in Nordafrika, Österreich oder Kiribati ist die Freiheit seinen weg zu gehen und der führt unweigerlich über Demokratie, Bürgerrechte und Sicherheit.
Dieser Text soll niemandes Meinung über die aktuellen Vorgänge beeinflussen, ich maße mir auch gar nicht an im Vorhinein zu urteilen, jedoch rufe ich jeden auf sich seine Meinung selbst zu bilden und nicht von Medien bilden zu lassen (Groteskerweise ist ja auch dieser Blog ein Medium). Wer weiß ob das was in Nordafrika geschrieben wird Geschichte ist oder doch nur eine Randnotiz in einer Chronik, jedenfalls bleibt es zu beobachten, zu hinterfragen und ob es zu befürworten oder zu bekämpfen ist, weiß man ohnehin erst dann, wenn es zu spät ist.
Hans Kelsen würde im Grab rotieren
Wie viele großartige Geschichten gibt es über den Behörden- und Ämter-Dschungel. Niemand ist für etwas zuständig, niemand weiß was der andere hat oder tut. Diese Fehlfunktion im System steht bereits in der Verfassung. Hans Kelsen, seines Zeichens Verfasser der Verfassung, brachte eine furchtbare Seuche über uns indem er mit Bund, Land, Bezirk und Gemeinde vier Ebenen mit getrennten Kompetenzen über uns brachte.Deutschland hat zwar auch 4 Ebenen, aber natürlich 10 mal mehr Einwohner und zudem eine sinnvollere Einteilung der Kompetenzen.
1920 als die Verfassung Österreichs (die kaum verändert auch nach der Nazi-Zeit wieder galt) eingeführt wurde, war diese übertriebene Kompetenzenspaltung vielleicht sinnvoll, darüber kann ich ja kein Urteil abgeben, heutzutage ist sie allerdings nur eine Kostspielige Unnötigkeit.
Im Zuge eines Projekts über das ich in Zukunft noch berichten werde schickte ich mich selbst in den Dschungel, denn ich wollte eine Liste aller Ortstafeln in Österreich. Geschrieben habe ich ein E-Mail ans Verkehrsministerium, ob es so etwas gibt. Die Antwort war Nein! Wie seit dem Ortstafelstreit in Kärnten alle wissen kommt es ja darauf an wer im Landtag sitzt, wie die aufgestellt werden und das, obwohl das Gesetz darüber im Bund gemacht wurde.
Als nächstes sandte ich E-Mails an 7 Landesreferate für Verkehr (Wien, aus verständlichem Grund, und Vorarlberg, weil es für mein Projekt nicht relevant ist, ersparte ich mir). In manchen Bundesländern gibt es selbst da noch 10 Unterabteilungen. Antworten bekam ich bisher vier, allerdings waren die Auskünfte kaum hilfreich. Einmal werde ich zu einem anderen Referat verwiesen. Einmal hieß es dass, wenn überhaupt, das Verkehrsministerium von Ortstafeldaten wüsste, da von ihm auch die Bestimmungen kommen. Einmal hieß es, dass das Sache der Gemeinde ist und einmal kam als Antwort, dass Ortstafeln von den Bezirkshauptmannschaften aufgestellt werden.
Drei Antworten sind noch ausstehend. Warum aus Kärnten nichts kommt ist offensichtlich: da dort Ortstafeln ständig verschoben und umgerissen werden, weiß dort ohnehin keiner welche es momentan gibt.
Dass aus jedem Bundesland bisher eine andere Antwort kam zeigt, dass das System nicht zu funktionieren scheint, da entweder niemand weiß wer von Ortsschildern weiß oder die Bestimmungen in jedem Land anders sind. In zweitem Fall verstehe ich nicht wieso in Niederösterreich die Zuständigkeiten anders sein sollen als in Tirol obwohl die grundsätzliche Bestimmung in ganz Österreich gleich ist. Aber die hochbezahlten Landtagsabgeordneten werden schon wissen wieso.
Ein weiteres Beispiel ist der aktuelle Lehrerstreit zwischen Ländern und Bund. Bund bezahlt Bundeslehrer (Lehrer an höhern Schulen und Gymnasien) aber der Landesschulrat stellt sie ein und verwaltet sie. Das Land ist zudem auch für Berufsschulen zuständig. Für Volks-, Haupt-, Sonder-, und Polytechnische Schulen ist der Bezirk zuständig. Wenn für alle Schulen der Bund zuständig wäre könnte man eine Menge Geld einsparen und folglich die Schulen besser ausstatten.
Im Endeffekt bleibt zu sagen, dass man wenn man die Kompetenzen ein wenig verschiebt locker eine der 4 Stufen abschaffen könnte. Ob man jetzt überbezahlte Landtagsabgeordnete abschafft und Landesbeamte im gleichen Büro lässt und sie jemand anderem unterstellt oder ob man die Bürgermeister von 1000Einwohner-Gemeinden abschafft, die im grunde überhaupt nichts zu tun haben ist im Endeffekt egal. Hauptsache die österreichische Verfassung wird wieder einmal geändert. Das geschah ohnehin schon oft genug, denn mit knapp über hundert Veränderungen ist die österreichische Verfassung eines der meist-geänderten Dokumente der ganzen Welt.
PS.: Zur Landtagswahl sollte trotzdem gegangen werden. Denn jede Stimme, die nicht abgegeben bzw. ungültig abgegeben wird, ist eine Stimme die nicht gegen die FPÖ abgegeben wird. GEHT WÄHLEN VERDAMMT!!!